Volunteers-Training in Samal

Mit dem neuen Jahr begann auch ein neues Projekt für mich. Eigentlich begann es schon Ende letzten Jahres, aber da waren es nur wenige organisatorische Dinge, die geregelt werden musst.

Einführung in Volunteerism

Also Shannon hatte die Idee ein Volunteers-Training für Interessierte ab etwa 16 Jahren anzubieten. Der Gedanke dabei ist, dass anstelle von ausßländischen Freiwilligen, die einheimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen für ehrenamtliche Arbeit begeistert werden. Kasachstan hat an sich eine lange Tradition an ehrenamtlicher und Freiwilligen-Arbeit. Allerdings ging der Gedanke mit dem Zerfall der Sowjetunion und der Großfamilienstruktur mehr oder weniger verloren. Unsere Aufgabe ist es also, das schon vorhandene Wissen wieder zu erwecken und mit einer etwas anderen Freiwilligenarbeit zu vernetzen, nämlich dass auch Menschen auserhalb des eigenen Familienverbandes hilfebedürftig sind und man als Freiwilliger in Kasachstan viel Gutes bewirken kann. Außerdem wollen wir unseren Teilnehmern auch zeigen, dass sie selber von ehrenamtlicher Arbeit profitieren, dass sie lernen und Erfahrungen sammeln können.

Aus diesen Gründen beschlossen wir ein Training anzubieten. In sechs Sitzungen á 90 Minuten versuchen wir unseren Teilnehmer Handwerkszeug für ihr Ehrenamt zu vermitteln. Jeden Samstag bemühen Shannon und ich uns verschiedenste Themen, bei denen wir denken, dass sie einersteits interessant für Freiwillige, andererseits aber auch für ihr späteres Leben nützlich sind, so aufzubereiten, dass die Teilnehmer Spaß an der Sache haben, lernen und verstehen.

Was ist eigentlich "service learning"?

Am 8. Januar hielten wir unsere erste Einheit über Volunteerism im Allgemeinen. Eine Woche später drehte sich alles um “service learning”, einer Theorie die im deutschsprachigen Raum als “Lernen durch Engagement” bekannt ist. Um ehrlich zu sein, war das auch für mich eine Neuheit. Nicht der Gedanke an sich – ich denke, bei den Pfadfindern dreht sich vieles um “service learning” – aber ich wusste nicht, dass es dazu eine Theorie, ja fast eine eigene Wissenschaft gibt. Sehr interessant! Kann ich nur empfehlen den Begriff mal zu googeln. Letzte Woche, am 22.1. ging es um Kommunikation. Anhand eines kurzen Spiels und der Vier-Ohren-Theorie von Friedemann Schulz von Thun ist uns allen klar geworden, wie kompliziert Kommuniaktion eigentlich sein kann und wie Missverständnisse entstehen können. Um die Einheit nicht so negativ zu beenden, haben wir über das wunderbare Feedback gesprochen. Richtig Feedback geben und nehmen und damit Kommunikation zu verbessern. Ich persönlich fand die Einheit sehr gelungen.

Apropo Kommunikation: manch einer wird sich fragen, wie kommunizieren wir eigentlich während den Einheiten? Das ist eine ausgesprochen gute Frage. Shannon und ich halten die Präsentationen und die Input-Teile auf Englisch. Wir haben eine Übersetzerin, die von Englisch auf Russisch übersetzt. Einige unserer Teilnehmer sprechen aber auch ein sehr gutes Englisch. Schwierig wird es dann, wenn auf Russisch diskutiert wird. Ich freu mich jedes mal, dass in dieser Gruppe eine gute Diskussionskultur herrscht, zumal das in der Schule nicht unbedingt gelehrt wird. Allerdings versteh ich dann gar nichts mehr. Das muss ich dann leider Shannon überlassen oder der Übersetzerin, die einen unglaublich guten Job macht.

In den nächsten drei Wochen wird es noch um “soft skills” (da das bekanntlich alles und nichts heißt, durften unsere Teilnehmer abstimmen. Das Ergebniss: Vision und Mission, also Zielsetzung und mehr, sowie Motivation), Führungskompetenzen und Projekt Management gehen. Außerdem sind die Freiwilligen dazu angehalten als praktischen Teil des Trainings Zeit mit den Kindern und Jugendlichen zu verbringen, in Samal kleinere und größere Projekte durchzuführen oder wer möchte kann nach dem Training ein komplettes Projekt (Planung, Durchführung, Evaluation) in einer Organisation der eigenen Wahl machen. Am Ende der sechs Wochen bekommt jeder Teilnehmer ein Zertifikat von uns mit Stempeln. Stempel sind hier alles. Was keinen Stempel hat, ist auch nicht wichtig. Wer das Projekt im nachhinein durchführt und Shannon oder mir die Ergebnisse präsentiert bekommt ein weiteres Zertifikat. Diese Zertifikate sind hier eine wichtige Sache und dienen uns als Anreiz, dass unsere Teilnehmer auch regelmäßig kommen.

Alles in Allem habe ich das Gefühl mit diesem Training einen Weg gefunden zu haben, Samal längerfrisitig und nachhaltig unterstützen zu können. Und außerdem macht es mir großen Spaß mit den kasachstanischen Jugendlichen zu arbeiten.

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